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Knowing Practices: Historical Records of Military
and Martial Arts Knowledge in China and the World

Conference on June 30, 2026, at Kiel University

Rückblick

Gefördert durch die VolkswagenStiftung und organisiert im Rahmen des an der TU Berlin angesiedelten CKN-Germany-Projekts fand mit der Konferenz „Knowing Practices: Historical Records of Military and Martial Arts Knowledge in China and the World” am 30.06.2026 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel der dritte Teil der Conference Series China in the World statt.

Das Konzept der interdisziplinären und internationalen Konferenz unterschiedliche Fachperspektiven auf die Konzeptionalisierung, Verschriftlichung und Dissemination von Militär- und Kampfkunstwissen in Ostasien und Europa zusammenzubringen und die Bedeutung von technischem bzw. praktischem Körperwissen (embodied knowledge) zu diskutieren, schlug sich in vielseitigen Beiträgen aus den Bereichen Sinologie/Ostasienwissenschaften, Geschichtswissenschaften, Kulturwissenschaften und Soziologie nieder.

Im ersten Panel „Fight Books in Chinese and European Contexts” führten Dr. Áron Somogyi (Budapest), Lena Liefke (Kiel) und Dr. Eric Burkart (Trier) in chinesische und deutschsprachige Textzeugen von Militär- und Kampfkunstwissen in China des 16.-17. und Europa des 14.-16. Jahrhunderts ein. Dabei wurden historische und sozio-kulturelle Entstehungskontexte von Militär- und Kampfkunsttexten im mingzeitlichen China beleuchtet (Somogyi), textlinguistische Tiefenbohrungen in ein ausgewähltes chinesisches „Fight Book“ (Jianjing 劍經) des 16. Jh. präsentiert (Liefke) und die Vertextlichung von praktischem, inkorporiertem Wissen über das Kämpfen im europäischen Mittelalter aus kultur- und sozialhistorischer Perspektive diskutiert (Burkart). So unterschiedlich die methodischen Ansätze der drei Vorträge ausfielen, so zeichnete sich während des ersten Panels bereits ab, wie fruchtbar der Vergleich der europäischen und chinesischen bzw. ostasiatischen Tradition der Verschriftlichung von Militär- und Kampfkunstwissen auf theoretischer Ebene sein kann, bspw. wenn es darum geht, die postulierte Textgattung der „Fight Books“ zu definieren.

Die hier dargestellten historischen Perspektiven wurden schließlich im nächsten Panel „Practical Knowledge of Martial Arts in Past and Present“ mit dem Vortrag von Prof. Dr. Larissa Schindler (Bayreuth) durch eine soziologische Perspektive auf die gelebte Praxis der Wissensvermittlung in Kampfkunsttrainings heute ergänzt. So zeigte der Vortrag auf, dass nicht nur verbale, sondern auch visuelle Kommunikation bei der Vermittlung von Kampfkunstwissen schnell an ihre Grenzen stößt, und das Erlernen von „Kampffertigkeit“ von den Lernenden spezifische Kompetenzen erfordert, die in der Praxis womöglich selbstverständlich erscheinen, sich aus der theoretischen Perspektive aber als hochkomplex herausstellen. Dr. Tsz WONG (Kiel) führte schließlich die historische und gegenwärtige Perspektive zusammen, indem er zentrale Konzepte des chinesischen Bogenschießens theoretisch und praktisch erläuterte. Dabei schlug er zusätzlich die Brücke zur Rezeption des Wissens über Bogenschießen nach Japan, und verdeutlichte anschaulich, wie wichtig erfahrungsbasiertes Wissen für die Durchdringung von historischen Beschreibungen von Kampfkunsttechniken sein kann.

Im dritten Panel Military Knowledge in East Asia“ wandten sich die Speaker wieder stärker dem Bereich des militärischen Wissens zu. Prof. Dr. Julia Schneider (Hamburg), LIU Xiaoli (Zürich) und Prof. Dr. Felix Siegmund (Bochum) präsentierten unterschiedliche Zugänge zu Texten über Militärtheorie – und praxis im historischen China, Korea und Japan. Der erste Vortrag von Prof. Dr. Julia Schneider eröffnete dabei neue Perspektiven auf weniger offensichtliche Aspekte von chinesisch-mandschurischen Militärgesetzen im 19. Jh., wie etwa die Regulierung der Schlafgewohnheiten und Träume der Soldaten, und bildete zeitlich die Brücke zwischen den Vorträgen zum 14.-16.Jh. und den gegenwartsbezogenen Vorträgen. LIU Xiaoli und Prof. Dr. Felix Siegmund wiederum konzentrierten sich zeitlich auf das 16.-17. Jh. und stellten verschiedene Wege der Dissemination militärischen Wissen in Ostasien dar. Während LIU Xiaoli einen ausgewählten Militärtext (Dengtan bijiu 登壇必究) ins Zentrum stellte und die Frage aufwarf, wie und wann das dort enthaltene Militärwissen nach Joseon-Korea und Edo-Japan gelangt ist, konzentriere sich Prof. Dr. Siegmunds Vortrag auf die Darstellung sozialhistorischer Faktoren der Entstehung und Verbreitung militärischen Wissens in Korea des 17.Jh. sowie der dortigen Rezeption chinesischen Militärwissens, insbesondere der Rezeption von Texten, die dem chinesischen Militärgeneral Qi Jiguang zugeschrieben werden.

Begleitet wurden die Vorträge von lebendigen Diskussionen unter Beteiligung der Konferenzteilnehmer*innen, die ihrerseits ganz unterschiedliche Fachhintergründe und praktisches Wissen zu Kampfkunst einbrachten. Vertreten waren u.a. Personen von unterschiedlichen Universitäten aus den Fachbereichen der Geschichtswissenschaften, Sinologie/Chinawissenschaften, Linguistik, Sportwissenschaften, Philosophie, Soziologie, und Traditionelle Chinesische Medizin.

Wie gewinnbringend der interdisziplinäre Austausch an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis sowie historischer und gegenwartsbezogener Forschung sein kann, zeigte insbesondere die Abschlussdiskussion, die durch eine umfassende Zusammenfassung von Prof. em. Helwig Schmidt-Glintzer eingeleitet wurde, die die unterschiedlichen Fachinhalte und methodischen Ansätze der Konferenz in einen größeren Kontext aus heutiger Perspektive einzuordnen wusste.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das aufrichtige Interesse an den vielseitigen Vorträgen und die Offenheit für den interdisziplinären Austausch!

Date: 30th June 2026

Time: 1:30 p.m. – 6:30 p.m.

Location: Seeburg Kiel, Düsternbrooker Weg 2

Organization: China Centre at Kiel University

Language: English/German

Registration via email: liefke@chinazentrum.uni-kiel.de

From a historical perspective the boundary between Military and Martial Arts Knowledge is far from being clear-cut. This conference aims to shed light on how Military and Martial Arts Knowledge was constituted, conceptualized, practiced and disseminated in East Asian and European text traditions. Taking 16th century China as a starting point, the conference will provide a comparative analysis of different textual and cultural traditions concerning Military and Martial Arts theory and practice. Although the conference is primarily aimed at historians and philologists specializing in East Asian studies, as well as researchers dealing with European military and martial arts text traditions, it will also integrate sociological and cultural perspectives on the dissemination and appropriation of experience-based technical knowledge in martial arts.

The conference is organized by the China Centre at Kiel University and takes place on Tuesday, 30 June 2026, at the ‘Seeburg’ in Kiel (Düsternbrooker Weg 2). A soft opening with lunch begins at 12:45, followed by the official programme from 13:30 to 18:30. 

Confirmed Speakers
(alphabetical order): 

  • Dr. Eric Burkart (Trier)
  • Lena Liefke, M.A. (Kiel)
  • Prof. emer. Dr. Gudula Linck (former Kiel)
  • LIU Xiaoli, M.A. (Zürich)
  • Prof. Dr. Larissa Schindler (Bayreuth)
  • Prof. Dr. Julia Schneider (Hamburg) / Katja Pessl, M.A. (Göttingen)
  • Prof. Dr. Felix Siegmund (Bochum)
  • Dr. Áron Somogyi (Budapest)

We warmly invite you to join this event on the day preceding the VCdH meeting as part of the Lecture Series China in the World. The conference will examine the conceptualization, documentation and dissemination of Military and Martial arts Knowledge in China, Korea and Europe, while bringing together perspectives from Sinology/East Asian Studies, History and Sociology. Particular attention is given to the question of how “embodied knowledge” is transmitted, recorded and interpreted across time and cultural contexts. 

The program will be available soon on the Lecture Series website. 

If you have any questions, please contact

Lena Liefke, M.A.
Research assistant, China Centre at Kiel University
liefke@chinazentrum.uni-kiel.de